Zwischen Sansibar und Stuttgart. Wie zwei Welten meine Mode prägen

Pumzika Kollektion

Manchmal führt das Leben einen genau dahin, wo das Herz schon immer hinwollte. Für mich war das Sansibar. Afrika war schon als Kind ein stiller Traum ich wusste nicht wann und wie, aber ich wusste: Ich will irgendwann dorthin. Menschen helfen, kreativ arbeiten, etwas aufbauen. Und irgendwann kam dieser Moment.

Ich war mittlerweile Modedesignerin, hatte eine Weiterbildung als Produktentwicklerin abgeschlossen und arbeitete nebenbei mit beeinträchtigten Kindern. Sozial und kreativ beides war mir wichtig, ich brauchte diese Balance. Dann kam der Anruf, der alles veränderte.

Eine Hilfsorganisation aus Sansibar namens Assalam suchte Unterstützung für ihr Atelier. Sie hatten noch nie mit einer Designerin zusammengearbeitet. Durch eine Freundin kam die Empfehlung und plötzlich war ich mittendrin. Afrika rückte ganz nah.

Der schwierige Anfang

Die ersten Tage auf Sansibar waren ehrlich gesagt der Horror. Ich wurde von Seeigeln gestochen, hatte allergische Reaktionen, wurde von riesigen Ameisen gebissen und fühlte mich komplett überfordert. Ich kannte niemanden, wurde von den anderen Volunteers komisch behandelt und hatte das Gefühl, niemand versteht mich weder sprachlich noch menschlich.

Ich war kurz davor, wieder zurückzufliegen. Doch irgendetwas in mir sagte: „Gib nicht auf.“

Ankommen zwischen Swahili, Tanz und Nähmaschine

Nach einer Woche durfte ich endlich ins Atelier. Dort lernte ich meine Mädels kennen über 30 Frauen, aufgeteilt in zwei Gruppen: Die Young Ladies, junge Frauen zwischen 20 und 25 Jahren, die genäht haben. Manche von ihnen waren verheiratet, andere nicht, einige geschieden. Und dann gab es die Mama Ladies, die mit der Hand nähten, die ohne Ehemann auskommen mussten, weil sie entweder geschieden waren oder ihre Männer verstorben sind.

Diese Frauen haben bei uns gearbeitet und ihr eigenes Geld verdient. Ihre Geschichten, ihr Mut und ihre Stärke haben mich tief berührt und waren eine große Inspiration.

Kommunikation war anfangs eine Herausforderung. Ich sprach Englisch, sie Swahili mit Dialekt keiner verstand den anderen wirklich.

Ich stand da mit meinem Designwissen und dachte nur: „Wie soll ich das schaffen?“ Doch ich fand einen Weg. Ich lernte die Sprache, zumindest die Basics. Und ich verstand, dass man auf Sansibar nicht wie eine deutsche Lehrerin auftreten darf, sondern mit Herz, Tanz und echter Motivation viel mehr erreicht. So arbeitete ich mit Liebe, Respekt und ganz viel Musik.

Vier Monate voller Wachstum

Nach vier Monaten wollte ich gar nicht mehr weg. Ich fühlte mich tief verbunden mit den Frauen, mit der Insel, mit der Kultur. Der Abschied war tränenreich, doch ich wusste: Das war nicht das Ende.

Sechs Monate später kam die nächste Anfrage aus Sansibar: Ob ich eine professionelle Kooperationskollektion mit ihnen machen möchte. Und so entstand die Pumzika-Kollektion.

Die Pumzika-Kollektion Kultur, Chaos und Kreativität

Ich arbeitete ein Jahr lang ehrenamtlich an diesem Projekt, unterstützt von zwei Praktikantinnen. Die Schnitte entwickelten wir in Deutschland, produziert wurde unter schwierigsten Bedingungen auf Sansibar. Kein Strom, kaum Wasser, fehlende Stofflieferungen, abgesprungene Lieferanten doch wir haben es geschafft.

Ich ließ mich inspirieren von der entspannten „Hakuna Matata“-Mentalität, den bunten Türen in Stone Town, die Geschichten erzählen, und den Farben und Stoffen, die das Lebensgefühl widerspiegeln.

Am Ende gab es ein Fotoshooting und eine Ausstellung vor Ort sowie den Verkauf der limitierten Kollektion in Deutschland alles als Spendenprojekt.

Von der Vision zur Marke

Aus dieser Zeit ist SEVO SAC entstanden meine Marke. Aber ich wollte Hilfsprojekte und Business bewusst trennen. SEVO SAC soll ein professionelles Label sein, mit Stilberatung, nachhaltiger Mode und hochwertigem Vintage, vor allem Seide.

Die Hilfsprojekte laufen über meinen Verein SafeHands e.V. , den ich gründete und der komplett ehrenamtlich und mit vollem Herzen arbeitet. Helfen ist für mich keine Option, es ist selbstverständlich.

Zurück
Zurück

Warum ich Stilberatung anbiete und was sie für mich bedeutet

Weiter
Weiter

Meine Reise zur Modedesignerin: Zwischen Kreativität, Kultur und sozialem Herz