Meine Reise zur Modedesignerin: Zwischen Kreativität, Kultur und sozialem Herz
Ich könnte sagen, ich hätte schon immer gewusst, Modedesignerin zu werden aber das stimmt nicht.
Mein Weg war alles andere als geradlinig. Ich hatte viele Interessen, war kreativ, wollte helfen. Lange war ich auf der Suche. Genau das hat mich geformt.
Mit 13 Jahren verbrachte ich ein Auslandsjahr in Jordanien eine prägende Zeit. Dort lernte ich, mit wenig auszukommen: Manchmal musste eine Rolle Toilettenpapier eine Woche lang reichen. Ich lernte, stark zu sein, mit neuen Situationen umzugehen, Freundschaften zu schätzen und auf mich selbst zu vertrauen.
Zurück in Deutschland ging es Schritt für Schritt weiter: von der Hauptschule auf die Realschule, dann aufs Gymnasium. Diese Entwicklung spiegelt meinen ganzen Lebensweg wider immer weiter lernen, immer wachsen. Am technischen Gymnasium mit Schwerpunkt Medien und Gestaltung entdeckte ich meine kreative Seite, wusste aber beruflich noch nicht, wohin es gehen sollte.
Eigentlich wollte ich in den sozialen Bereich, doch ich wurde nirgendwo angenommen. Also schrieb ich mich in angewandte Mathematik ein NC-frei, meine einzige Möglichkeit, überhaupt zu starten. Mein Plan war, später zu wechseln. Doch es fühlte sich nicht richtig an. Auch der Wechsel in die Pflege brachte nicht die Erfüllung, die ich suchte.
Parallel begann ich, ehrenamtlich mit beeinträchtigten Kindern zu arbeiten sechs Jahre lang, meist an Wochenenden und in den Ferien. Dort entstand mein erstes Designprojekt: Kostüme für ein integratives Theaterstück. Meine erste bezahlte Arbeit als Designerin. Da wusste ich: Das ist mein Weg.
Mit Unterstützung meiner Eltern studierte ich an einer privaten Modeschule in Mannheim, später folgte in Stuttgart die Weiterbildung zur Produktentwicklerin. Ich wollte Mode nicht nur entwerfen, sondern wirklich verstehen.
Dann kam eine Einladung, die alles veränderte: Vier Monate arbeitete ich in einem Atelier auf Sansibar mit 30 Frauen, die mit wenig lebten, aber voller Würde, Gemeinschaft und Stärke. Wir nähten zusammen, tauschten Wissen aus und wuchsen miteinander. Zeiten ohne Strom oder Wasser waren dort normal und trotzdem war so viel Wärme da. Diese Erfahrung gab mir ein neues Bewusstsein für Nachhaltigkeit und zeigte, wie viel man mit wenig erschaffen kann.
Ein Jahr später entstand meine erste Kooperationskollektion: SEVO SAC x Kanga Africa. Produktion? Komplett auf Sansibar unter herausfordernden Bedingungen. Genau das machte sie so besonders. Die Kollektion verkaufte ich vollständig und spendete den gesamten Erlös direkt vor Ort. Meine erste Kollektion und ein Hilfsprojekt aus tiefstem Herzen.
Nach der erfolgreichen Pumzika Kollektion wusste ich, dass ehrenamtliches Engagement immer ein Teil meines Lebens bleiben wird.
Mir war klar, dass zukünftige Projekte unter SEVO SAC nicht alle Spendenaktionen sein würden denn mein Label ist auch ein Business, das wachsen und bestehen muss. Trotzdem wollte ich mein soziales Engagement fest verankern.
So entstand mein Verein Safe Hands e.V. . Hier arbeite ich weiterhin zu 100 % ehrenamtlich, organisiere Hilfsprojekte auf Sansibar und unterstütze auch andere Initiativen weltweit.
Für mich war es wichtig, diese beiden Welten zu verbinden:
Mit SEVO SAC kreiere ich Mode, die Geschichten erzählt und nachhaltig produziert wird.
Mit Safe Hands e.V. helfe ich dort, wo Unterstützung gebraucht wird unabhängig vom Markt, vom Gewinn oder vom Trend.
Ein weiterer großer Moment war die Einladung zur Modest Fashion Week in Istanbul. Meine Kollektion auf einer internationalen Bühne zu präsentieren, war eine große Ehre.
SEVO SAC ist seitdem mehr als nur Kleidung. Es ist mein Weg, Menschen zu verbinden durch Stilberatung, Slow Fashion und echte Geschichten.
Meine Liebe zu Secondhand habe ich von meinem Opa, der auf Flohmärkten wahre Schätze fand. Für mich bedeutet Vintage nicht nur Nachhaltigkeit, sondern auch Wertschätzung für das, was schon existiert.
Und dann ist da meine Leidenschaft für Seide. Mit zwölf begann ich, Kopftuch zu tragen und suchte nach Stoffen, die angenehm, leicht und atmungsaktiv sind. Im Sommer war Seide unschlagbar. Neue Seide konnte ich mir als Schülerin nicht leisten, also kaufte ich Vintage-Seide: erst ein Tuch, dann eine Bluse, dann immer mehr. Heute begleitet sie fast jedes meiner Designs.
Seide ist für mich mehr als nur ein Stoff sie steht für Energie, Ruhe und Eleganz. Sie ist weich, sensibel, wertvoll fast wie eine Frau. Genau deshalb liebe ich sie.
Zwischendurch arbeitete ich auch in der Filmbranche eine Erfahrung, die meinen Blick für Bild, Stil und Inszenierung geschärft hat.
All diese Erfahrungen fließen heute in SEVO SAC ein: eine Verbindung aus Alt und Neu, Gefühl und Stil, Tiefe und Leichtigkeit.
Und das hier war erst der Anfang.